Eigener Kommentar von Peter Reiter:

Vor wenigen Wochen wurde Frau Margot Käßmann zur Vorsitzenden der evangelischen Kirchengemeinschaft – EKG in Deutschland gewählt. Meiner Meinung nach ist dies ein tolles Zeichen der Aufgeschlossenheit der evangelischen Kirche und ihrer Führung, sowie ein großer Schritt in Gleichberechtigung der Geschlechter auch in den religiösen Lebensbereichen. Im Gegensatz zur evangelischen setzt die katholische Kirche leider weiterhin stur auf ihre seit Jahrhunderten kaum veränderten Vorschriften.

Von der Möglichkeit der Priesterweihe für Frauen lohnt es sich überhaupt nicht zu reden, doch auch bei scheinbar einfacher lösbaren Problemen wie dem Zölibat outet sich der zu Beginn seiner Amtszeit hochgepriesene Papst Benedikt als Hardliner. Immer unwahrscheinlicher erscheint eine Reform und Anpassung der katholischen Kirche unter seiner Führung. Auch unter diesem Aspekt erscheint die Wahl von Frau Käßmann noch einmal in einem besonderen Licht. Wie können wir islamistische Völker für die Verletzung der Frauenrechte und Misshandlungen verantwortlich machen, die sie aus dem Koran ableiten, wenn wir nicht selbst fähig sind, unsere Kirche an heutige Lebensweisen anzupassen?

Doch nun reagiert die russisch-orthodoxe Kirche und droht die gemeinsame Zusammenarbeit mit den Protestanten in der Ökumene auszusetzen aufgrund ihrer neuen Vorsitzenden. Nun steht auch die orthodoxe Kirche in der Priesterweihe von Frauen und einigen anderen zentralen Punkten der evangelischen gegensätzlich gegenüber, aber der Kern des ökumenischen Projektes sollte es doch sein, Menschen und Religionen zu verbinden, da wir doch alle Christen sind und sicherlich mehr gemeinsam haben als uns trennt. Doch trotz unserer Gemeinsamkeiten ist die Ökumene nur sinnvoll, wenn man die Unterschiede anerkennt und akzeptiert. Schon zu Beginn des ökumenischen Projektes vor vielen Jahrzehnten war es der orthodoxen Kirche bekannt, dass im protestantischen System eine weibliche Vorsitzende möglich ist.

So wird klar, dass zwar die evangelische Kirche mit gutem Beispiel bei Reformen und Erneuerung vorangeht aber doch vielleicht etwas zu schnell marschiert für die konservativere katholische und orthodoxe Kirche, die durch ihre Jahrtausende andauernden Traditionen Neuerungen immer etwas voreingenommen gegenüberstehen. Jedoch ist es für jede Gruppe nur positiv, einen Antreiber zu besitzen, damit sich auch die langsameren Mitglieder fortlaufend bewegen, denn ein Grundsatz gilt auch für die Kirchen: Wer sich nicht bewegt, der wird abgehängt. Dantobel

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