Ein Kommentar von Christoph Bungard
Auf der größten Trauerfeier, die es in Deutschland jemals für einen Leistungssportler gegeben hat, nahmen am 15.11. im Stadion seines Heimatvereins Hannover 96 rund 35.000 trauernde Fans sowie Prominente aus Sport und Politik Abschied von Robert Enke. Weil er seine Depression nicht länger ertragen konnte, hatte sich der 32-jährige Ausnahmefußballer am 10.11. vor einen Regionalzug geworfen.
Mit seinem Suizid hat Enke sich jedoch nicht nur selbst hingerichtet, sondern wie viele andere Selbstmörder vor ihm, das Leben des betroffenen Zugführers ruiniert. Dieser wollte den Regionalzug noch rechtzeitig zum Stehen bringen, konnte jedoch, so banal das jetzt auch klingen mag, nichts gegen die Gesetze der Physik ausrichten.
Das Schlimme ist, dass der Suizid Enkes kein Einzelfall ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele depressiv kranke Menschen keinen anderen Ausweg aus ihrer verfahrenen Situation wissen, als sich auf eine ähnlich tragische Weise das Leben zu nehmen. Mit potentiellen Selbstmördern muss jeder Zugführer rechnen. In ihrer Ausbildung werden die Bahn-Mitarbeiter im Umgang mit kritischen Situationen geschult. Wenn dann aber doch der Ernstfall eintritt, ist es nur allzu verständlich, wenn auch ein Zugführer mit den Nerven am Ende ist. Dabei sind Zugführer, die schon einmal eine Bahnfahrt mit „Personenschaden“ miterlebt haben, nach einem solchen Ereignis beruflich oft am Ende, müssen umschulen oder sind psychisch und seelisch gar so sehr belastet, dass sie überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen können und womöglich selbst in eine tiefe Depression stürzen und für die zu Unrecht empfundene Schuld am Tod eines anderen Menschen vielleicht auch zu potentiellen Suizidgefährdeten werden.
Depression ist eine schwere Krankheit, doch sie gibt Menschen wie Robert Enke, die ihrem Leben auf spektakuläre Art und Weise ein Ende setzen wollen, nicht das Recht, Unbeteiligte wie den Zugführer ins Unglück zu stürzen. Liebe Suizidgefährdeten, Euer Leben einfach zu beenden und vor den Problemen davon zu laufen, kann nicht die Lösung sein. Stattdessen solltet Ihr lieber Hilfsangebote wie die Telefonseelsorgen der Kirchen in Anspruch nehmen oder einen Psychotherapeuten aufsuchen. Wenn Ihr dann doch keinen anderen Ausweg als den Selbstmord seht, so sucht Euch doch einfach eine Methode aus, die genauso effektiv, dafür aber weniger Aufsehen erregend als der Suizid des Fußballspielers Robert Enke ist und keine tiefen Wunden in den Seelen Unbeteiligter hinterlässt, die an Eurem Tod keine Schuld trifft.
Mit diesem Kommentar möchten wir eine Diskussion anstoßen. Wie denken Sie über die Schuld oder Unschuld von Selbstmördern? Wir freuen uns über Ihre Beiträge.


Ich finde es schlimm, wenn man seinem Leben ein Ende machen möchte. Aber noch schlimmer ist es, wenn hierbei dann noch andere Menschen in Gefahr kommen (Geisterfahrer, Amokläufer) oder ein Leben lang traumatisiert werden (Zug-, Busfahrer).
Leute, sucht aktiv Hilfe und macht so was nicht. Es geht immer irgendwie weiter!